Sagenumwobenes Mühlen

Zahlreiche Sagen ranken sich um Mühlen und das weitere Gemeindegebiet. Vielleicht mit einem Quentchen Wahrheit werden sie von Generation zu Generation überliefert. Zum Inhalt haben Sie die Stadt "Hora", das Hörfeld, die Schlacht bei Noreia, den Silberberg und zahlreiche weitere Orte und Begebenheiten. Lassen Sie sich verzaubern von den Geschichten unserer Vorfahren.

Die Stadt Hora

Die Leute der schönen Stadt Hora waren frevelhaft übermütig; sie kegelten mit Brotlaiben und Butterkugeln, denn sie hatten gute, ertragreiche Jahre gehabt, ihr Land war nämlich überaus fruchtbar. Die Korn- und Weizenähren waren mannshoch, und die Kühe gaben Milch in Überfluß. Als nun die Leute von Hora eines Tages in einem Gasthaus tanzten und feierten und sich besonders übermütig gebärdeten, kam ein kleines Männlein mit einem kleinen Faß unter dem Arm in den Tanzsaal und sagte: „Laßt euren Übermut oder es kommt Gottes Strafe über euch.“ Die Leute verlachten ihn jedoch und tanzten wilder als zuvor. Ein zweites Mal kam das Männchen und warnte sie wiederum, doch vergeblich. Da begann es zu blitzen und zu donnern, ein furchtbares Unwetter entlud sich über der Stadt Hora, und ein drittes Mal kam das Männchen und versuchte wiederum vergeblich, die Tänzer zur Vernunft zu bringen. Da wurde das Männchen plötzlich zu einem Riesen, entkorkte das Faß, ging damit durch die Stadt und goß Wasser aus, sodaß die große, schöne Stadt Hora mitsamt ihren Bewohnern versank. Die Schlangenwindungen des Baches im Hörfeld bezeichnen noch heute den Weg, den das Männchen gegangen war.

Eine andere Version dieser Sage geht so: Die Leute der Stadt Höra tanzten einmal nackt; da kam ein Männchen herein und fragte: „Was wollt ihr, Wasser oder Feuer?“ „Wohl Wasser“, riefen alle übermütig, „denn heiß ist es ohnedies.“ Das geschah ein zweites und ein drittes Mal, und die Tänzer verlachten das Männchen. Dieses aber ging fort, und es begann zu regnen, bis die Stadt im Wasser versank und alle Leute ertranken. So ist die Stadt Höra untergegangen.

Das Hörafeld verlangt seine Opfer

Vor undenklichen Zeiten stand am Hörafeld eine große, reiche Stadt. Dieses Hörafeld verlangte früher zu gewissen Zeiten seine Opfer, und im Sumpf sollen viele Leute versunken sein. Das letzte Opfer war eine Magd des reichen Bauern Josel Derflinger. Es hatten nämlich einst seine Knechte in der Nähe des Hörafeldes Gras gemäht und sich dabei den Spaß erlaubt, einen Heuhaufen auf einen sogenannten „Kelchbrunn“ zu werfen. Als eine Magd diesen Heuhaufen sah, stieg sie arglos darauf und versank im Morast. Die Knechte hörten nur noch ihren Angstschrei, und gleich darauf schloß sich das schwarze Sumpfwasser über dem unglücklichen Opfer. Aus dem Hörfeld sollen sich einst die Herren von Silberberg ihren Reichtum geholt haben.

Die Glocken der Stadt Höra

Im sumpfigen Hörfeld unweit Mühlen stand einst die Stadt Höra, die bis zum Gehöft vlg. Kotmoar gereicht haben soll. Die Bewohner dieser Stadt aber haben einen so leichtsinnigen und frevelhaften Lebenswandel geführt, dass zur Strafe die ganze Stadt versunken ist. An ruhigen Abenden kann man noch die Glocken dieser Stadt läuten hören.

Die Hörfeldmäher

Es war einmal in St. Veit ein sehr starker Bauer, der das Mähen wie kein anderer verstand. Weil es ihm aber sonst auf seinem Hof nicht gutging, hat er mit dem Teufel eine Wette abgeschlossen, um zu Geld zu kommen: Er werde in drei Tagen das ganze Hörfeld abmähen, so lautete die Wette. Und da habe er sich beim Schmied eine Riesensense machen lassen und hat zu mähen begonnen, dass dem Teufel der Angstschweiß aufgestiegen ist. Ehe die drei vereinbarten Tage um waren, hat er das Hörfeld abgemäht gehabt, und der Teufel hat das Geld herausgeben müssen. Der Teufel hat noch einen Jauchzer gemacht und ist im Hörfeld verschwunden.

Die Schlacht bei Noreia

Oben auf der Bergeshöhe liegt Noreia, die alte Keltenstadt und Sitz des Königs der Noriker. Boten keuchen über die Gebirgssaumpfade und bringen Schreckenskunde über Schreckenskunde. In riesiger Schlange wälzt sich vom Nordosten ein Heereszug heran. Flachshaarige Menschen sind es, und einem rollenden Berg gleich zermalmen sie, was sich ihnen entgegenstellt. Dann ziehen, von den Norikern zu Hilfe gerufen, römische Legionen heran, nehmen auf der Höhe von St. Helen Stellung , errichten ein festes, uneinnehmbar scheinendes Lager und senden Streifscharen aus. Durch sie lockt der Konsul Cn. Papirius Carbo die Cimbern in dieses Tal. Das weitere sollte sonach der Sumpf besorgen; das Moor tief unterhalb der Römerstellung, schwirrende Pfeile und rollende Steine von der Höhe. Dabei jedoch vergaß der Konsul auf einen wesentlichen Faktor: den Nebel. Der lagerte am tage der Entscheidung schwer, dicht und undurchdringlich über dem Sumpf. Die römischen Streifscharen verloren durch ihn die Fühlung mit dem Feind und wußten, auf der Höhe angekommen, bloß zu berichten, dass die Barbaren ihnen bisher dicht auf den Fersen gewesen und nun alsbald den Sumpf erreichen würden. Stunden untätigen Wartens rannen hin. Nach menschlicher Voraussicht musste das Moor schon seine Opfer haben. Eben wollte Carbo nach allen Richtungen Boten senden, da brach ein Schreien und Heulen los. Mit wildem Kriegsgeschrei fiel ein germanischer Keil den Römern in den Rücken. Unsagbar groß war die Verwirrung. Die Römer sahen sich, ehe sie sich dem Feind zuwenden konnten, umgangen und umzingelt und verließen  befestigte Kampfstellung auf dem Berg. Im Tal unten aber lauerte der Sumpf. Wie dann der Nebel riß und heller Sonnenschein das Feld beleuchtete, gewahrten die Noriker von den Palisaden des gegenüberliegenden Noreia aus erschaudernd, dass die Cimbern, den Rand des Moores umgehend, ganz unversehens in ein Seitental gelangt waren, durch das vom Süden her ein Bach herabkam, den Sumpf zu speisen, hier aufwärts weiterziehend, unvermutet den Römern in den Rücken fielen und die stolzen Legionen Mann für Mann ins nasse Grab hinunterdrängten. Als Mann und Mann im Sumpf erstickt, ertrunken waren, blickten die Cimbern nochmals ins Tal herab und selbst ergrausend vor dem eigenen Sieg, verließen sie nach Plünderung des Römerlagers den Ort, gegen Abend weiterziehend.

Der Ritter von Silberberg

Am Silberberg lebte einst ein mächtiger, starker Ritter mit seiner Gemahlin, zwei Kindern und großem Hofgesinde. Einst mußte er in den Krieg ziehen und blieb drei Jahre aus. Bei seiner Rückkehr kam ihm einer seiner Söhne mit einem Humpen Wein entgegen; der Vater umarmte ihn so kräftig, dass er ihn erdrückte. Seine Tochter, die schöne Ismengild, sollte den Ritter von Althaus heiraten. Dieser aber war ein wilder, unbändiger Mann, den Ismengild nicht mochte; sie war in den Ritter von Einöd, Kaspar, verliebt. Ismengilds Vater, der auf der Ehe mit dem Althauser bestand, veranstaltete auf Silberberg ein Fest, an dem die Verlobung gefeiert werden sollte. Die Tochter aber verabredete sich mit dem Ritter von Einöd, an demselben Abend zu fliehen. Sie setzen sich auf die Pferde und sprengten in Richtung Althaus. Bald wurde ihre Flucht bemerkt, und die Verfolgung begann. Der Ritter von Silberberg holte sie ein und stach Kaspar nieder. Die Tochter aber nahm er mit auf Silberberg und ließ sie lebendig einmauern.

Die guten Schützen

Vor vielen Jahren haben zwei Ritter draußen in der Gegend gelebt, der Althauser und Silberberger, die ihre Schlösser genau gegenüber gehabt hatten. Wegen Grenzstreitigkeiten haben sie nicht Recht die Köpfe zusammengehabt. Eines Tages stand der Althauser vor der tür, und der Silberberger sah gerade von seiner Burg aus zu ihm hinüber, wie sein Nachbar von einem reitenden Boten einen Brief ausgehändigt bekam. Der Althauser nahm und las das Pergament, und da dachte sich der Silberberger, er werde dem Althauser nun einen Schabernack spielen: Er holte seinen Bogen und schoß einen Pfeil hinüber und mitten durch das Pergament. Der Althauser blickte auf und sah, daß es der Silberberger gewesen war. Einige Tage später schaute der Althauser aus einem Fenster seiner Burg und sah, wie der Silberberger vor seiner Burg auf einer Bank saß und jausnete. Wiederum holte der Althauser seinen Bogen, zielte und schoß dem Silberberger ein Stück Speck aus der Hand.

Die eingemauerte Ritterstochter

Der Ritter von Althaus und der von Kalsberg haben jahrelang in Feindschaft gelebt. Nun hatte der Kalsberger einen Sohn und der Althauser eine Tochter, die einander gerne gesehen haben. Das aber hat der Althauser verdrosssen, und er hat seine Tochter jeden Umgang mit dem Kalsberger verboten. Sie aber haben sich mehr gern gehabt, als sie den Vater gefürchtet haben. Und wie die zwei wieder einmal heimlich zusammengekommen sind, hat der jähzornige Althauser die Tochter abgefangen und einmauern lassen. Die Tochter hat sich lächelnd gefügt und noch während des Einmauerns gesungen. Vier Tage lang hat man sie nachher noch singen gehört. An schönen Tagen hört man noch heute in den Trümmern der Burg wunderschön sinegn.

Das Unglückseweib

Neben der Schloßruine Althaus steht ein großes, altes Gehöft, der vlg. Althauser. Vor Jahren ging dort an einem Wintersmorgen das Hauspersonal in den Wald, um Holz zu fällen; man wollte das Haus neu decken. Eben, als sie im Fortgehen waren, kam von der Ruine herab eine vornehme, gekleidete Frau zum Bauernhaus. Neugierig, er das wohl sein mochte, ging ihr der Moarknecht nach, ins Haus hinein, wo sie aber nicht gesehen wurde. Drei Tage darauf ist das Haus abgebrannt. Zehn Jahre später sahen die im Hof arbeitenden Knechte wiederum diese schwarze, vornehmende Frau das Haus betreten. Wiederrum ging ihr ein Knecht nach, denn er befürchtete, dass es wiederum ein Unglück geben würde. Aber auch diesmal fand er die sonderbare Frau nicht im Haus. Ein paar Tage später ist das Haus neuerlich abgebrannt; der Blitz hatte eingeschlagen.

Die Burg Silberberg

Der vlg. Leitermoar in St. Veit hat erzählt: Meine Großmutter hat eine Tochter namens Agnes gehabt, und die ist nicht ganz gescheit gewesen. Sie ist einmal am Lorenzisonntag spätabends am Silberberger Schloß vorbeigegangen. Da hat sie die Neugierde gepackt; sie hat nämlich im Schloß die Löcher sehen wollen, die die Schatzgräber gemacht haben. Da ist plötzlich die Tür offengestanden, und sie ist hineingegangen, und sie ist von einem Raum in den anderen gelangt, und in der vierten Kammer hat sie ein paar Fässer mit Gschneakat gesehen. Ganz verblüfft denkt sie sich: Wie kommen den die da herein? Da ruft draußen plötzlich jemand ihren Namen, genau so, wie die Mutter ruft, und das dreimal hintereinander. Da ließ sie die Fässer stehen und ging dem Schrei nach, aber draußen vor der Burg war niemand zu sehen. Als sie wieder zurück in die Burg gekommen ist, hat sie nichts mehr von den Fässern gesehen.

Die Maultaschin in Althaus

Die Maultaschin ist auch zum Schloß Althaus bei St. Veit in der Gegend gekommen und hat es einnehmen wollen. Das Tor war jedoch verschlossen. Sie ritt vor das Tor und rief zum Schloß hinauf, dass sie niemanden verschonen werde, weder greis noch Weib und Kind, wenn das Tor nicht bis zum Abend geöffnet werde. Die Burgleute haben nun beraten, was zu tun sei; der Schloßherr aber, ein harter Mann, wollte sich nicht ergeben, und da haben ihn die anderen ergriffen, das Tor geöffnet und ihn mit der Burg der Maultaschin übergeben. Den Burghern hat sie nach Dürnstein verschleppt.

Die Wildfrauen vom Silberberg

Bei St. Magarethen am Silberberg, nahe der Kärntner Grenze, erhebt sich ein Fels, dessen Zacken zuweilen Leben annehmen und als schwarze Frauen herabsteigen. Drei von ihnen kamen einst zu einem Halterbuben und baten ihn um seinschönstes Lämmchen. Lange wollte er es ihnen nicht geben, denn er fürchtete sich vor seinem strengen Diensherrn. Endlich gab er ihnen ein weißes, weil sie so schön bitten konnten. Sie töteten es, nahmen das Fleisch und gaben dem Halter das Fell zurück. Dann sagten sie ihm, er möge, wenn der Bauer greinen werde, das Fell nun in den Stall tun. Als er dies tat, war das Tier am nächsten Tag wieder lebendig.

Wie der Egartner und der Teufel kegelten

Dort, wo sich drei Gemeindegrenzen treffen, liegt der Hof Egartner. Früher war es ein Gasthaus, und der Wirt war einst ein Räuber. Die Straße führte von Frießach über den Berg zum Egartner. Einmal kam der Teufel in dieses Gasthaus und forderte den Wirt auf, mit ihm zur Schreibstatt zu kommen, um dort zu kegeln. Der Egartner erklärte sich dazu bereit, steckt einen Kreuztaler in seine Rocktasche und ging mit dem Teufel hinauf zur Schreibstatt. Dort angekommen nahm der Teufel neun goldenen Kegel und eine silberne Kugel, und sie begannen zu kegeln. Der Teufel verspielte jedoch ständig und hatte noch gehofft zu gewinnen und die Seele des Bauern zu bekommen. Als der Teufel seinganzes Geld verspielt hatte wurde er so zornig, dass er mit dem linken Fuß tief in die erde stieß, sodass man an dieser Stelle noch heute den Abdruck des Hufeisens sehen könnte. In der folgenden Nacht malte der Teufel auf die Hausmauer des Egartner ein Bild, wie der Egartner auf seinem Geldbeutel liegt und der Teufel unterheizt; dieses Bild kann man noch heute sehen.

Der Schatz im Keller der Burg Silberberg

Weithin reichte der Ruf, dass im Schloß Silberberg unermeßliche Schätze lägen. Nachdem die Silberberger das Schloß verlassen hatten, machten sich einige Holzfäller daran, den sagenhaften Gold- und Silberschatz zu suchen. Einer der Holzfäller glaubte zu wissen, dass der Schatz im Keller des Schlosses vergraben liege. So gruben sie in den Kellerboden ein tiefes Loch, bis sie auf die Steinplatte stießen. Mit großen, dicken Holzstangen versuchten sie, die schwere Steinplatte zu heben, und es gelang ihnen auch: Langsam hob sich die Steinplatte. Als sie gerade das viele Gold und Silber zu Gesicht bekamen, durchhallte ein schriller Schrei und ein fürchterliches Gebrüll die Stille des Kellers. Die Schatzgräber erschraken darüber dermaßen, dass sie die schweren Stangen losließen, sodass die Steinplatte zurückfiel und den Zugang zum Schatz wieder verschloß. Die Holzfäller aber liefen so schnell sie konnten aus dem Schloß hinaus. Von da an wagte sich niemand mehr an das Schloß, und inzwischen hat man auch vergessen, wo sich der Keller mit dem Schatz befindet.

Das Totenbründl

Der alte Fahrweg von Mühlen nach Noreia führte an einem kleinen Brünnlein vorbei, das für sein köstlich frisches Wasser bekannt war. Eines Tages starb in Mühlen ein alter Mann, der vor seinem Tod den Wunsch geäußert hatte, in Noreia begraben zu werden. Man kam diesem seinen letzten Wunsch nach, und die Bauern luden des Sarg mit dem Toten auf einen Leiterwagen, vor den zwei Pferde gespannt wurden. Langsam ging es den alten Weg hinauf zum Friedhof von Noreia.
Als sich der Leichenzug dem genannten Bründl näherte, war plötzlich ein lautes klopfen zu hören. Die Pferde wurden angehalten, und alle horchten, woher das klopfen komme. Wie erschraken die Trauergäste, denn das Klopfen kam aus dem Sarg, dessen Deckel langsam aufging. Der Tote stieg heraus, ging zum Bründl, trank das klare Wasser, kehrte dann zum Sarg zurück und legte sich wieder hinein. Dann setzte sich der Leichenzug wieder in Bewegung. Seither heißt diese Quelle das „Todesbründl“.

 

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